Altersvorsorge während der Elternzeit anpassen?

In der Elternzeit müssen sich junge Familien häufig finanziell einschränken, denn das Elterngeld deckt meist nur einen Teil ihres früheren Einkommens ab. Die DVAG gibt Tipps zur Anpassung der Altersvorsorge in dieser Zeit.

Masterfile/RF/DVAG Altersvorsorge anpassen, statt kündigen: Viele Eltern müssen während der Elternzeit kürzertreten.

„Hurra, wir haben ein Baby!“ Mit diesen oder ähnlichen Worten verbreiten stolze Eltern die Nachricht vom Nachwuchs. Und Anlass dazu gibt es immer öfter, denn die Geburtenzahlen in Deutschland steigen seit 2011 wieder kontinuierlich. 2015 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts knapp 738.000 Menschen geboren, das sind 3,2 Prozent mehr als das Jahr zuvor. Um die gemeinsame Zeit mit dem Nachwuchs zu genießen, nehmen viele Mütter oder auch Väter Elternzeit.

Finanzielle Einbußen in der Elternzeit

Eltern haben gegenüber ihrem Arbeitgeber einen Rechtsanspruch auf unbezahlte Freistellung von bis zu drei Jahren. Der Verdienstausfall wird mit dem klassischen Elterngeld aufgefangen – einer staatlichen Sozialleistung, die grundsätzlich zwölf Monate lang während der Elternzeit gezahlt wird. Wenn Väter sich zwei sogenannte Vätermonate nehmen, wird das Elterngeld insgesamt 14 Monate gezahlt. Elterngeld beträgt 65 bis 100 Prozent dessen, was der Elternteil vor der Geburt netto verdient hat. Dabei gilt eine Untergrenze von mindestens 300 Euro und eine Obergrenze von höchstens 1.800 Euro pro Monat. Je nach bisherigem Nettoeinkommen, den laufenden Kosten sowie verfügbaren Reserven auf dem Konto, kann es für Eltern deshalb finanziell deutlich enger werden.

Sparpotenzial ausloten

Eine Möglichkeit, um auf der Ausgabenseite zu sparen, ist die Anpassung bestehender Sparverträge wie Lebensversicherungen, Riester-Verträge oder Investmentsparpläne. „Altersvorsorge-Produkte müssen nicht gleich gekündigt werden, wenn finanzielle Engpässe entstehen“, wissen die Experten der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) und mahnen, die eigene Altersvorsorge nicht vorschnell zu riskieren. Vielmehr können zum Beispiel die Beitragszahlungen für Lebensversicherungsverträge bei vielen Gesellschaften zeitweise unterbrochen werden. Nach dem Ende der Zahlungspause können die Beiträge – häufig zuzüglich Zinsen – nachgezahlt werden oder die Ablaufleistung wird um den entsprechenden Betrag gekürzt. Das ist aber nicht bei allen Verträgen möglich. Haben Mütter oder Väter eine Lebensversicherung mit Dynamik abgeschlossen, bietet es sich während der Elternzeit unter Umständen an, kurzfristig den dynamischen Erhöhungen zu widersprechen. Dadurch bleiben Beiträge und Leistungen in diesem Zeitraum auf der bis dahin erreichten Höhe. Eine weitere Möglichkeit: Wenn ein bestimmter Mindestbetrag nicht unterschritten wird, kann jeder versicherte Elternteil, zum Beispiel bei Rentenversicherungen ohne Todesfall-, Berufsunfähigkeits- oder sonstigen Versicherungsschutz, die Versicherungssumme herabsetzen, um die Beiträge zu verringern. Ebenso denkbar: private Lebens- und Rentenversicherungen eine gewisse Zeit beitragsfrei zu stellen. Das Sparguthaben bleibt dabei erhalten und wird weiter verzinst. Das Besparen kann wieder aufgenommen werden, sobald der finanzielle Engpass überwunden ist.

Vor- und Nachteile kennen und abwägen

Bei all den Optionen sollte man jedoch auch einige Konsequenzen beachten. Die DVAG erklärt: „Je nach Art der Anpassung und des Vorsorge-Produkts kann ein enthaltener Versicherungsschutz zeitweilig erlöschen oder reduziert sein. Ebenso kann eine erneute Gesundheitsprüfung nötig werden oder es fallen aufgrund des höheren Eintrittsalters mehr Beitragskosten an. Zudem müssen zeitliche Begrenzungen wie etwa beim Aussetzen der Beitragsdynamik bedacht werden.“ Eltern sollten sich deshalb in jedem Fall den professionellen Rat eines Beraters einholen. Dieser berücksichtigt die individuelle Situation der Vertragsnehmer und kann mögliche Vor- und Nachteile besser einschätzen.