Bewusst leben – schlau vorsorgen

Dass sie sich um eine private Altersvorsorge kümmern müssen, wissen die 20- bis 35-Jährigen. Aber wie? Von dieser Frage sind viele überfordert.

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Zum Start eine kurze Frage. Welche der folgenden Dinge sind Ihnen besonders wichtig im Leben:

  • materielle Sicherheit?
  • Selbstverwirklichung?
  • Mitsprache im Job?
  • ein erfülltes Privatleben?

Sollten Sie alle vier Punkte ankreuzen wollen, dann stehen die Chancen gut, dass sie zwischen 1980 und 1999 geboren wurden und zur sogenannten Generation Y gehören. Und ähnlich groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Stichwort „Altersvorsorge“ ein mulmiges Gefühl oder einfach nur ein großes Fragezeichen bei Ihnen auslöst.

Warum das so ist? Forscher zerbrechen sich schon seit einiger Zeit die Köpfe über die Generation der jungen Erwachsenen, die heute zwischen 20 und 35 Jahren alt sind.

Ältere Generationen sind von ihnen irritiert, weil sie ein widersprüchliches Bild abgeben. Sie sind hoch qualifiziert, komplett in der digitalen Welt aufgewachsen und mit den neuen Technologien bestens vertraut. Sie haben hohe Ansprüche an die Gestaltung ihres Lebens. Ein Job soll nicht nur einen hohen materiellen Standard sichern, sondern mit dem Privatleben vereinbar sein und Freiraum für Mitsprache und Kreativität lassen.

Verantwortung übernimmt die Generation Y aber seltener als ihre Elterngeneration, wie Professorin Jutta Rump erläutert, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability an der Hochschule Ludwigshafen: „Bei den Eltern ist die Leistungsorientierung stark verbunden mit Pflicht und Disziplin. Bei ihren Kindern ist sie gekoppelt an Spaß, Perspektive und Sinnhaftigkeit.“

Foto: Oliver Rossi/ Corbis Die Generation Y sieht mit Zuversicht in die Zukunft.

Die Vorstellungen, die sich die Generation Y von den nächsten Jahrzehnten und auch von ihrem Alter machen, sind überwiegend positiv: stetiger Aufstieg und wachsender Wohlstand. Doch dafür tut diese Generation nichts – obwohl ihr die Lücken des gesetzlichen Vorsorgesystems bewusst sind, wie eine Studie von TNS Infratest Sozialforschung und der Hertie School of Governance 2016 zeigt.

Demnach sparen weniger junge Menschen regelmäßig fürs Alter: nur 35 Prozent statt 41 Prozent (in 2010). Stattdessen zählen Ziele und Wünsche im Hier und Jetzt mehr, also Ausbildung, Studium und vor allem der nächste Urlaub. Für die Vorsorge bleibt dann oft nichts mehr übrig.

Die Forscher haben junge Erwachsene gefragt, warum das so ist. Die Antwort: Viele fühlen sich von dem Thema Vorsorge und Finanzplanung überfordert. Lange Laufzeiten, komplizierte Produkte, unübersichtliche Leistungen – ohne eine professionelle Beratung steigen viele Vertreter der Generation Y hier aus.

Stattdessen sagen sie sich, dass sie sowieso deutlich über das Rentenalter hinaus arbeiten werden müssen und sich die Vorsorge deshalb sparen können. Ein Trugschluss, der schwerwiegende Folgen haben kann. Der jungen Generation drohe die Altersarmut, warnt Wissenschaftler Klaus Hurrelmann.

Viele fühlen sich von dem Thema Vorsorge und Finanzplanung schlicht überfordert.

Wie sich das Problem lösen lässt? Überraschenderweise befürworteten in der Studie knapp zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) automatische Sparregelungen, etwa bei Berufsbeginn. Wenn eine solche Verpflichtung mit einer Ausstiegsoption kombiniert würde und es noch Zuschüsse gäbe, wären 89 Prozent dafür. Die Wissenschaftler überraschte dieses Ergebnis. „Es scheint so, als wünschen sich Jugendliche einen Automatismus, der ihnen eigenständige Entscheidungen zumindest teilweise abnimmt“, kommentiert Ökonom Stefan Traxler. Sinnvoller wäre eine individuelle Beratung zu persönlichen Zielen und Möglichkeiten, die das optimale Ergebnis für jeden Einzelnen ermittelt.

Foto: photo division Endlich angekommen: Viele aus der Generation Y streben ein eigenes Zuhause an.

Zwar unterscheidet sich die Generation Y in vielen Dingen von den älteren Generationen, der Wunsch nach einem Eigenheim ist aber bei vielen jungen Menschen ebenso ausgeprägt wie bei den Eltern. So sind viele bereit, mit dem Kauf einer Immobilie eine langjährige Verpflichtung einzugehen. Einer Infratest-Umfrage zufolge sehen drei Viertel von ihnen ein Haus oder eine Eigentumswohnung als attraktive Vorsorge für das Alter.

Und laut einer Studie würden 29 Prozent der 18- bis 34-Jährigen frei verfügbares Geld am ehesten in den Traum vom Eigenheim investieren. Damit steht Wohneigentum sogar auf Platz eins der Anschaffungswünsche. Ein Wunsch, der früher in Erfüllung gehen kann – mit der richtigen Planung und persönlichen Unterstützung durch Experten.

Was möchten Sie als Nächstes tun?