„Erfolg ist planbar!“

Jürgen Klopp, Welttrainer des Jahres 2019, über Erfolg, den Umgang mit Niederlagen und die richtige Motivation.

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Sie sind frisch gebackener Welttrainer, haben in diesem Jahr mit dem FC Liverpool die Champions League und den Supercup gewonnen. Ist Erfolg planbar?

Jürgen Klopp: Ja – wenn man Erfolg als Weiterentwicklung und Fortschritt definiert. Denn da geht’s ja darum, wie man sich selbst entwickelt, die nächsten Schritte macht und mit Problemen umgeht. Das ist die Voraussetzung, um irgendwann auch greifbare Erfolge feiern zu können. Dabei muss man viele Stationen absolvieren – zieht man da die richtigen Schlüsse, kommt man dem eigenen Ziel immer näher.

Nach dem Champions-League-Halbfinalsieg gegen den FC Barcelona vermeldete die Presse: „Klopp hat das Unmögliche geschafft“. Fühlen Sie sich noch als „the normal one“ wie beim Amtsantritt in Liverpool 2015?

Klopp: An meiner Selbstwahrnehmung hat sich nichts geändert, wohl aber an der Außenwahrnehmung. Klar ist: Der Sieg im Spiel gegen den Top-Favoriten Barcelona war nur möglich, weil meine Mannschaft bereit war, über sich hinauszuwachsen. Wir wussten, dass wir vier Tore schießen mussten. Nach der Halbzeit waren es immer noch drei. Dabei fehlten uns zwei der weltbesten Stürmer, nach der Halbzeit auch der aktuell weltbeste Linksverteidiger. Aber die Mannschaft hat das Unmögliche möglich gemacht. 

Verraten Sie uns, was Sie vor dem Spiel zur Mannschaft gesagt haben?

Klopp: Genau das, was los war: Es ist eigentlich unmöglich, aber weil ihr es seid, haben wir eine Chance. Sie haben an ihre Chance geglaubt und das auf dem Platz umgesetzt. Mit gigantischem Ergebnis.

Also: Das Team ist der Star?

Klopp: Hundertprozentig. Der Fußball braucht Star-Spieler, ein Star kann auch mal ein Spiel entscheiden – aber ohne seine Mitspieler hat er keine Chance. Es war mir immer wichtig, dass sich die als Stars wahrgenommenen Spieler nicht von der Mannschaft entfernen. Wir haben alle mal das Fußballspielen begonnen, weil wir geliebt haben mit zehn Leuten zusammenzuspielen, die gemeinsam ihre Schwächen ausgleichen und von den individuellen Stärken profitieren. Das wirkt wie eine Potenzierung der Kräfte.

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Wie gehen Sie mit schwierigeren Spieler-Charakteren um?

Klopp: Ich kenne keine schwierigen Charaktere – ich kenne nur Charaktere. Und was heißt schwierig? Das ist eine Bewertung von außen. Meine Aufgabe ist es, den Jungs dabei zu helfen, ihren Charakter zu nutzen. Einer kommt aus einem Dorf im Senegal, ein anderer ist in London aufgewachsen. Das könnte unterschiedlicher nicht sein, aber am Ende müssen sie sich in die Mannschaft einfügen. Ich habe immer geschätzt, wenn Menschen mir nicht gleich sagen wollen, was ich alles anders machen soll. Darum lasse ich meine Spieler erst mal so sein, wie sie sind. Und dann gibt’s kleinere Hilfestellungen – ich bin nun mal zig Jahre älter und habe mehr Lebenserfahrung. Ich versuche ihnen dann nahezubringen, welchen Mehrwert es haben könnte, sich in bestimmten Situationen ein bisschen angemessener zu verhalten (lacht).

Wobei Sie nicht nur für die Spieler zuständig sind. An Ihrem Büro an der Melwood Road steht „Manager“.

Klopp: Ausschließlich Trainer war ich auch schon in Dortmund nicht mehr – und das, was ich anfangs allein gemacht habe, setzen wir heute mit 14 Leuten um. Das Gute ist, dass ich nahezu alle Jobs, die ich heute vergebe, schon mal selbst gemacht habe. Und mein Ziel ist, dass ich ein Team habe, das in allen Teilbereichen besser ist als ich. Sonst ergäbe das alles keinen Sinn. Und eins habe ich hier im Verein relativ zügig geändert: In England gibt es überwiegend kurz laufende Arbeitsverträge. Unsicherheit ist aber keine gute Motivation, sondern leistungsmindernd. Darum haben jetzt fast alle um mich herum einen Vertrag, der mindestens so lange läuft wie meiner.

Wie viel Motivation, wie viel Analyse bestimmt das Erfolgssystem Klopp?

Klopp: Keine Ahnung, dazu mache ich mir, ehrlich gesagt, keine Gedanken. Motivation ist für mich, sich selbst glaubhaft zumachen, dass der vollkommene Einsatz der einzige Weg ist, um alles aus sich rauszuholen. Und Analyse findet natürlich täglich statt. Dabei ist es wichtig, dass man sich erst mal alles ergebnisunabhängig zu Gemüte führt. Eine gute Führungspersönlichkeit findet dabei heraus, was tatsächlich Relevanz hat. Und muss sich fragen: Wie verpacke ich die Informationen so, dass ich das richtige Ergebnis bekomme? Wenn ich nach einer Niederlage zu den Spielern sage, was habt ihr denn da abgerufen, das war viel zu wenig, wäre das nichts, was den Jungs weiterhilft.

Was hat für Sie den größeren Lerneffekt: Siege oder Niederlagen?

Klopp: Würde ich nur aus Niederlagen lernen, wäre das sicherlich ein bisschen schade (lacht). Aber wenn man durch sie zu richtigen Schlüssen kommt, hat das großen Wert – es fühlt sich nur in dem Moment, in dem es passiert, extrem negativ an. Es kann in einem Spiel, dass du gewonnen hast, ganz viel schlecht gelaufen sein – und in einem, das du verloren hast, trotzdem viel richtig. Niederlagen sind dazu da zu entwickeln, was man an sich, an der Situation und an den Maßnahmen ändern sollte. Das ist unser Alltag. Die Aufteilung bei uns ist: Meine Jungs sind verantwortlich für Siege, ich für die Niederlagen.

Was den Druck von außen auf Sie bestimmt nicht gerade verkleinert.

Klopp: Externer Druck interessiert mich nicht. Ich kann nichts an der Einschätzung der Außenwelt beeinflussen. Aber ich mache mir selbst den größtmöglichen Druck und verlange von mir, dass ich alles, was ich an Talenten habe, in die Waagschale werfe. In dem Moment, wo ich das getan habe, hat Druck keine Relevanz mehr.

Aber Sie kennen auch den inneren Schweinehund, der einen ausbremst?

Klopp: Na klar. Den inneren Schweinehund sollte man als guten Freund wahrnehmen – als natürliche Hürde, die man überspringen muss, um weiterzukommen. Je früher er sich meldet, desto eher kann man ihm eine auf die Nuss hauen.

Am Schluss eine Frage zu Ihrer Zusammenarbeit mit der DVAG: Welchen Stellenwert hat für Sie der Job des Vermögensberaters?

Klopp: Vermögensberater ist ein Beruf, der ganz viel mit Vertrauensbildung zu tun hat. Für mich ist der perfekte Vermögensberater derjenige, der sich extrem gut mit seiner Materie auskennt und mit seinem Know-how Menschen weiterhelfen möchte. Tut er das, hat er sprichwörtlich eine goldene Zukunft.

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