Dieser Artikel in Kürze
- KI verändert viele Berufe, ersetzt aber nicht jede Tätigkeit gleichermaßen.
- Besonders dürften Berufe mit hohem Anteil zwischenmenschlicher Interaktion gefragt bleiben – etwa in Pflege, Handwerk oder persönlicher Beratung.
- Im Bereich Vermögensberatung sprechen aktuelle Studien dafür, dass persönliche, vertrauensbasierte Beratung weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird.
Welche Berufe haben auch in Zukunft gute Chancen?
Aktuelle Arbeitsmarktanalysen zeigen: Besonders gute Perspektiven bieten unter anderem Berufe, in denen schon heute Fachkräfte fehlen und auch künftig ein hoher Bedarf erwartet wird. Dazu zählen beispielsweise Pflege- und Gesundheitsberufe, Erziehung und soziale Berufe sowie viele Tätigkeiten im Handwerk und Bau.1
Auch in der Elektro- und Energietechnik dürfte der Bedarf hoch bleiben: Für die Umsetzung der Energiewende insgesamt werden nach Modellrechnungen des Instituts bis 2030 rund 157.000 zusätzliche Arbeitskräfte benötigt, vor allem im Baugewerbe, in der Energieversorgung und in der IT.2
Gleichzeitig verändert KI viele Berufsbilder. Vor allem standardisierte und wiederkehrende Tätigkeiten können zunehmend automatisiert werden. Häufig verschwinden dadurch jedoch nicht ganze Berufe – vielmehr verändert sich, welche Aufgaben Menschen künftig übernehmen und welche Fähigkeiten wichtiger werden.3
Finanzbranche verändert sich
Diese Entwicklung ist auch in der Finanzwelt zu beobachten. Digitale Assistenten, Robo-Advisor und KI können heute bereits Informationen analysieren, Daten vergleichen, Berechnungen durchführen oder standardisierte Empfehlungen erstellen.
Gerade solche Tätigkeiten werden in Zukunft vermutlich noch stärker automatisiert. Doch Finanzberatung besteht nicht nur aus Zahlen und Berechnungen.
Wenn es um Altersvorsorge, Absicherung, Vermögensaufbau oder langfristige finanzielle Entscheidungen geht, spielen persönliche Lebenssituationen, individuelle Ziele und Vertrauen eine wichtige Rolle.
Persönliche Finanzberatung bleibt gefragt
Das U.S. Bureau of Labor Statistics, die staatliche Arbeitsmarktstatistik der USA, erwartet für persönliche Finanzberater zwischen 2024 und 2034 ein Beschäftigungswachstum von rund 10 Prozent – deutlich stärker als der Durchschnitt aller Berufe.4
Dabei berücksichtigt die Behörde ausdrücklich den wachsenden Einfluss von KI und Robo-Advisors. Dennoch geht sie davon aus, dass insbesondere ältere Menschen mit komplexeren finanziellen Fragestellungen weiterhin menschliche Beratung suchen werden.5
Ein Grund dafür ist auch der demografische Wandel: Mehr Menschen erreichen das Rentenalter, leben länger und müssen sich intensiver mit Vorsorge, Vermögen und finanzieller Absicherung beschäftigen.
Bei Geld zählt Vertrauen
Wie wichtig der persönliche Faktor bei Finanzentscheidungen ist, zeigt auch eine Untersuchung der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA.
Laut einer EU-weiten Befragung würden nur 30 % der Verbraucher KI-Empfehlungen bei Versicherungs- oder Altersvorsorgeprodukten vertrauen; 59 % äußerten Vorbehalte. Bei Menschen ab 55 Jahren waren es sogar nur 19 Prozent.6
Auch in Deutschland wird persönliche Beratung geschätzt: Laut einer repräsentativen YouGov-Befragung bevorzugt fast die Hälfte der Menschen, die Finanzberatung nutzen, ein persönliches Gespräch im Büro des Beraters. Bei den über 55-Jährigen sind es 59 Prozent.7
Mensch und KI statt Mensch gegen KI
Auch wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Zukunft der Finanzberatung nicht ausschließlich digital sein wird.
Eine 2025 veröffentlichte Studie im Fachjournal „Electronic Markets” beschreibt eine Entwicklung hin zu hybriden Beratungsmodellen: Technologie übernimmt geeignete und standardisierbare Aufgaben, während der Mensch weiterhin dort gefragt ist, wo persönliche Einordnung, individuelle Lösungen und Kundenbeziehungen eine Rolle spielen.8
Für Vermögensberater kann KI damit vor allem eines sein: ein Werkzeug. Sie kann Prozesse vereinfachen, Informationen schneller verfügbar machen und administrative Aufgaben unterstützen.
Ein Beruf mit Zukunft
Eine Garantie für einen vollkommen „zukunftssicheren“ Beruf gibt es nicht. Klar ist jedoch: Besonders gute Perspektiven haben Tätigkeiten, bei denen Fähigkeiten gefragt sind, die sich nicht einfach automatisieren lassen.
Dazu gehören Zuhören, individuelle Bedürfnisse verstehen, komplexe Sachverhalte erklären, Entscheidungen begleiten und Vertrauen aufbauen.
Genau das sind elementare Bestandteile des Vermögensberater-Berufs.
Wer also über eine berufliche Veränderung nachdenkt und einen Beruf sucht, bei dem der Mensch auch in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt im Mittelpunkt steht, für den kann die Vermögensberatung eine interessante Perspektive sein.
2 iab.de, „Deutschland braucht bis 2030 rund 160.000 zusätzliche Arbeitskräfte für die Energiewende”, 18.08.2026
3 ilo.org, „Generative AI and Jobs: A Refined Global Index of Occupational Exposure”, 20.05.2025
4 bls.gov, „Occupational Outlook Handbook”, 28.08.2025
5 bls.gov, „Incorporating AI impacts in BLS employment projections: occupational case studies”, Februar 2025
6 eiopa.europa.eu, „Generative AI Market Survey Outlook, Use Cases and Risk Management”, 01.02.2025
7 yougov.com, „Hybrid, ehrlich, kundennah: Was in der Finanzberatung von morgen zählt und wie die digitale Potenzialgruppe erreicht werden kann”, 28.07.2025
8 link.springer.com, „Automation and augmentation in professional services: Exploring the impact of financial self-service technology”, 12.11.2025