Dieser Artikel in Kürze
- Ein Wechsel zu den neuen Produkten sollte gut überlegt sein, denn eine Rückkehr in die alte Produktwelt ist nicht möglich.
- Die neuen AV-Produkte bieten mehr Vielfalt und Flexibilität, müssen aber nicht zwangsläufig besser sein als der aktuelle Riester-Vertrag.
- Vor einem möglichen Wechsel ist deshalb eine ausführliche Beratung zu empfehlen.
Wechsel des Riester-Vertrages: Ja oder nein?
Ab Januar 2027 wird die staatlich geförderte private Altersvorsorge reformiert. Dann stehen Sparern neue Altersvorsorgeprodukte zur Verfügung: mit und ohne Kapitalgarantien. Außerdem wird sich die Förderlogik ändern. Und das wirft die Frage auf: Lohnt sich ein Wechsel in die neue AV-Produktwelt ab Januar 2027? Grundsätzlich lässt sich sagen: Ein Wechsel von einem Riester-Vertrag in die neue Produkt- und Förderwelt sollte gut überlegt sein. Warum?
Wer einmal gewechselt hat, kann nicht mehr zur alten Produktwelt und Fördersystematik zurückkehren. Das ist nur einer von mehreren Gründen, warum ein Wechsel gut überlegt sein sollte.
Gründe, den Riester-Vertrag zu behalten
Mit der Riester-Reform wird es sowohl mehr Flexibilität als auch Anlageoptionen geben. Doch ein Wechsel in die neue Produktwelt muss nicht unbedingt besser sein. 3 Gründe, warum ein Riester-Wechsel nicht vorteilhaft sein kann:
- Verhältnis staatliche Förderungen und Einzahlungen
Die aktuelle Förderlogik ermöglicht in vielen Fällen hohe staatliche Zulagen bei vergleichsweise niedrigen Eigenbeiträgen. Denn um die vollen staatlichen Zulagen und Förderungen zu erhalten, müssen mindestens 4 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens des Vorjahres in den Vertrag eingezahlt werden. Mindestens aber 60 Euro.
Zum Vergleich: Ab Januar 2027 liegt der jährliche Mindestbeitrag bei 120 Euro, um die staatliche Förderung zu erhalten. Deshalb können besonders Familien mit mehreren Kindern und Familien mit geringerem Einkommen von den Stärken der Förderung der Riester-Rente profitieren.
Dazu zwei Rechenbeispiele
Beispiel 1: Familie mit 2 Kindern (geboren nach 2008) und einem Jahresbruttogehalt von 35.000 Euro.
Beispiel 2: Alleinerziehender Vater mit einem Kind (geboren nach 2008) und einem Jahresbruttogehalt von 22.000 Euro
| Beispiel 1 | Beispiel 2 | |
|---|---|---|
| Jahresbruttoeinkommen | 35.000 Euro | 22.000 Euro |
| mind. 4%-Anteil am Gehalt | 1.400 Euro | 880 Euro |
| Grundzulage | 175 Euro | 175 Euro |
| Kinderzulage (für Kinder geboren nach 2008) | 600 Euro | 300 Euro |
| Gesamt-Förderung | 775 Euro | 475 Euro |
| jährlicher Eigenbeitrag | 625 Euro | 405 Euro |
| monatlicher Eigenbeitrag | 52,08 Euro | 33,75 Euro |
- 100%-Beitragsgarantie
Die Riester-Rente ist vor allem für sicherheitsorientierte Sparer vorteilhaft. Denn zu Rentenbeginn sind Beiträge und staatliche Zulagen zu 100 Prozent garantiert. Auch bei den neuen Altersvorsorgeprodukten wird es sogenannte Garantieprodukte geben, welche eine 80-%- und 100-%-Beitragsgarantie anbieten werden.
- Auszahlung ab dem 62. Lebensjahr
Ein Vorteil der Riester-Rente ist, dass die Auszahlung schon früher starten kann als im Vergleich zu den neuen Altersvorsorgeprodukten. Bei der Riester-Rente kann die Auszahlungsphase bereits ab dem 62. Lebensjahr beginnen. Bei den neuen AV-Produkten wäre das erst ab dem 65. Lebensjahr möglich. Ein Punkt, der vor allem für ältere Riester-Bestandskunden relevant ist.
Beratung ist entscheidend
Wer früher an später denkt, verschafft sich einen wertvollen Vorsprung. Je früher mit dem Aufbau der privaten Altersvorsorge begonnen wird, desto mehr Zeit steht zur Verfügung, um Vermögen für den Ruhestand aufzubauen. Hinzukommt, dass für bestimmte Personengruppen der Abschluss eines Riester-Vertrages noch bis Ende 2026 sinnvoll sein kann.
Doch die passende Vorsorgestrategie ist so individuell wie das Leben selbst. Deshalb kann eine persönliche Beratung hilfreich sein, um eine Vorsorgestrategie zu entwickeln, die zu den heutigen Bedürfnissen und den Zielen von morgen passt.